Laserlicht fürs Alte Ägypten und die DDR


Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 14.03.2008


Der Markt ist klein, die Bühne aber die ganze Welt. Mit Lichteffekten, Soundtracks und Wasserwänden setzt ein Unternehmen von der Ostalb Events rund um den Globus in Szene.

Von Ulrich Schreyer

Lothar Bopp ist ganz in Schwarz gekleidet. Schwarz ist der große Tisch im Besprechungszimmer, schwarz sind die Schränke, in denen allerhand Gerätschaften verstaut sind. Grell stechen davon die lichtdurchfluteten Glasfassaden, die Tischplatte aus Granit und die Stühle aus glitzerndem Edelstahl ab. Dies alles ist kein Zufall, sondern eine Botschaft: Bei Lobo, das Kürzel steht für Lothar Bopp, wird etwas in Szene gesetzt.

Bopp rückt sich und sein Firmengebäude ins rechte Licht - vor allem aber setzt er vieles für andere in Szene: Bei Nationalfeiertagen, in Freizeitparks oder auf Kreuzfahrtschiffen ist Lobo gefragt. "Wir arbeiten in einer kleinen Nische", sagt Bopp, "aber mit unseren Lasershows sind wir schon seit Jahren Weltmarktführer." Tatsächlich hat das Unternehmen gerade 30 Mitarbeiter, nur wenig mehr als vor zehn Jahren. Und einen Umsatz von acht Millionen Euro, wie er ihn für dieses Jahr erhofft, erreicht auch so mancher große Handwerksbetrieb. Immerhin: in den vergangenen 15 Jahren hat sich der Umsatz verdoppelt. Rund 80 Prozent werden im Ausland erwirtschaftet, davon die Hälfte sogar außerhalb Europas. Dass Aalen auf der Ostalb für ein derartiges Unternehmen der optimale Standort ist, behauptet Bopp natürlich nicht. "Wir holen unsere Besucher in Frankfurt ab", sagt der Unternehmensgründer, der bis heute geschäftsführender Gesellschafter ist. Als das Unternehmen vor etlichen Jahren erweitert wurde, schaute sich Bopp auch andernorts um. "In Stuttgart haben wir nichts Passendes gefunden, und Ulm wäre auch keine riesige Verbesserung gewesen", meint der Herr des Laserlichts. "Und so sind wir eben in Aalen geblieben."

Mitarbeiter jedenfalls scheint er zu finden: Sie kommen aus der Aalener Fachhochschule, andere aber auch aus Wien. Lobo beschäftigt Elektroniker ebenso wie Designer, und die Ostalb muss kreative Köpfe offenbar nicht schrecken. "Unsere Branche lockt die Leute", sagt Bopp. "Außerdem kommen sie viel in der Welt herum, sie haben ihr kosmopolitisches Flair während der Arbeit." Sei es auf Kreuzfahrtschiffen wie der Queen Mary 2, in einem chinesischen Jurassic Park oder einfach in der Nähe, im Europapark Rust - überall hat Lobo Licht- und Soundeffekte installiert. Besonders gerne erinnert sich der Herr in Schwarz an ein farbenprächtiges Spektakel: Bei den Asia Games 2006 in Doha hat er mit Licht und Musik für die rechte Stimmung gesorgt, "am Fernseher haben das 3,4 Milliarden Menschen gesehen".

Zu den Kunden gehören Staaten, die einen Nationalfeiertag begehen - auch der 40. Jahrestag der DDR war seinerzeit mit von Lobo inszeniert worden -, aber auch Unternehmen, die zeigen wollen, dass das Verlegen eines Teppichbodens oder die Montage eines Kotflügels so richtig sexy ist. Da wird dann nicht einfach ein Film gezeigt, da drehen sich Kotflügel und Teppichboden dreidimensional als Konstruktionsentwürfe oder fertige Produkte durch den Raum - untermalt von Musik, die auch in einer Disco ganz gut ankäme.

Viele Kunden des Unternehmens kommen aus dem Nahen Osten. "Das Geld liegt dort zwar nicht auf der Straße, aber wenn die Länder etwas haben wollen, geben sie auch etwas aus", sagt Bopp - am Toten Meer etwa hat er für einen Kunden aus Jordanien einen Freizeitpark eingerichtetet. Dass man den Jurassic Parc im chinesischen Changzhou mit Laserlicht und Musik versorgt hat, freut Bopp zwar auch - doch er hat nicht nur gute Erfahrungen im Reich der Mitte gesammelt: "Da wird mir einfach noch zu viel kopiert."

1992 hatte Bopp dort damit angefangen, elektrische Einrichtungen zur Erzeugung von Lichteffekten an Discotheken zu liefern und diese mit Lasershows auszurüsten. Nach dem Studium der Feinwerktechnik an der Fachhochschule Aalen - einer Kombination aus Optik, Elektronik und Feinmechanik - wagte er dann den Schritt in die Selbstständigkeit. Tanzschuppen gehören längst nicht mehr zu den wichtigsten Kunden, dafür sind die Produktionen von Lobo zu kompliziert und damit oft auch zu teuer geworden: "Früher hatten wir nur den Laser, heute bringen wir Musik dazu, lassen Wind aufkommen und können sogar Gerüche anbieten." Und wenn mittels selbst entwickelter Software ein richtiger Sturm simuliert werden soll - dann kann das Unternehmen auch mal einen unter den Füßen vibrierenden Boden anbieten. In Planetarien wie in Stuttgart und Hamburg schmückt Lobo den Sternenhimmel aus, in Bayreuth wurde für die Wagner-Festspiele eine virtuelle Kulisse mit blutrotem Himmel, über den grelle Blitze zucken, gestaltet.

Blitze erhellen das Firmament auch, wenn Lobo seine Zeitmaschine in Bewegung setzt. Dann geht es elektronisch zurück ins Alte Ägypten, da taucht eine Sphinx auf und die Pyramiden. Später kommen dann griechische Säulen ins Bild, Römer und Szenen aus dem Mittelalter - nicht wie in einem Historienfilm werden die Szenen dargeboten, sondern eher wie Baupläne von Architekten: die Konturen der Sphinx etwa werden durch die leuchtenden Linien des Laserlichts dargestellt - ein Verfremdung, ähnlich wie wenn Römer und Gallier bei Asterix fröhliche Urständ feiern. Und wenn die farbigen Laserstrahlen dann von einer Art "Leinwand" aus Wasser, die ein dreidimensionales Bild vermittelt, in den Raum schießen, ist der Besucher dort, wo Bopp ihn haben möchte: hineingezogen in die Show. Mittendrin.

 

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